{"id":3353,"date":"2024-07-16T08:14:41","date_gmt":"2024-07-16T06:14:41","guid":{"rendered":"https:\/\/schubart-gymnasium.eu\/?p=3353"},"modified":"2024-07-17T08:25:04","modified_gmt":"2024-07-17T06:25:04","slug":"lesesommer-am-sgu-am-9-juli-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schubart-gymnasium.eu\/index.php\/2024\/07\/16\/lesesommer-am-sgu-am-9-juli-2024\/","title":{"rendered":"Lesesommer am SGU am 9. Juli 2024"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"529\" src=\"https:\/\/schubart-gymnasium.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_7767-1-1024x529.jpeg\" alt=\"Autorinnenlesung am SGU\" class=\"wp-image-3359\" srcset=\"https:\/\/schubart-gymnasium.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_7767-1-1024x529.jpeg 1024w, https:\/\/schubart-gymnasium.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_7767-1-300x155.jpeg 300w, https:\/\/schubart-gymnasium.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_7767-1-768x397.jpeg 768w, https:\/\/schubart-gymnasium.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/IMG_7767-1.jpeg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Vor einem Raum morgenmu\u0308der Schu\u0308ler sitzt Lena Gorelik, h\u00e4lt mit einer Hand eine Buchseite ihres neuen Romans und streicht sich mit der anderen durch die dichten, bru\u0308netten Locken. Die Zehenspitzen der Dreiundvierzigj\u00e4hrigen reichen knapp an den Parkettboden, der ihre Stimme (sie ignoriert, dass das Mikrofon aus ist) durch den Raum hallen l\u00e4sst. Die Schriftstellerin und Essayistin liest aus ihrem neuen autofiktionalen Werk \u201cWer wir sind\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit 11 emigrierten Goreliks Eltern angesichts zunehmendem Antisemitismus von Sankt Petersburg nach Deutschland, sie hinterlie\u00dfen Familienmitglieder, Freunde, Sprache, Zuhause und ihren Hund. Diese Reise ins Unbekannte brachten dem jungen M\u00e4dchen gleicherma\u00dfen Verlust wie Zukunft, Abschied wie Ankunft, eine Ankunft, die sie, wie die Autorin meint, erst Jahre sp\u00e4ter vollendete.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrem Roman versucht sie erstmals ihre eigene Geschichte zu erkunden, Traumata und sch\u00f6ne Erinnerungen in Worte zu fassen, dabei skizziert sie anachronistisch Episoden aus ihrer turbulenten Kindheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie liest uns von ihrem Abschied aus Sankt Petersburg und ihrem ersten Tag in Deutschland vor, dem chaotischen Packen und dem Geruch der K\u00e4selaugenstangen am Berliner Ostbahnhof. Mit energischer Detailliebe beschreibt ihre kr\u00e4ftige Stimme den Abschied am Bahngleis und die erste gelbe Banane im neuen Zuhause. Gewitzt behandelt Lena Gorelik auch auf der Metaebene ihre eigenen Erinnerungen. So lacht die Autorin mittlerweile daru\u0308ber, wie sie damals versuchte, die Erinnerung an den Abschied festzuhalten, jedoch nur den Versuch daran wirklich in ihrem Ged\u00e4chtnis verankerte. Sprachlich zeigt ihr Roman eine schlichte Eleganz, durchbrochen von Erinnerungen, die sich kaum aus dem Russischen u\u0308bersetzen lassen, was die Autorin dann auch nicht tut: in kyrillischer Schrift, und ganz ohne Transliterationen tr\u00e4upfeln russische W\u00f6rter und Teils\u00e4tze ihr Werk.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Fragerunde stellt sie sich mutig den interessierten Schu\u0308lern. Dabei steht das Genre der Autofiktion im Fokus: Erinnerung und Fiktion verschwimmen fu\u0308r Lena Gorelik im Schreibfluss, die subjektive Natur der Erinnerung lasse das zu. Dass diese subjektive Perzeption von realen Tatsachen auch echte Menschen beschreibt, teilweise enge Familienmitglieder, hielt die Literatin lange davon ab, ihre sporadisch entstandenen autobiographischen Ru\u0308ckblenden zu ver\u00f6ffentlichen. Erst die Zustimmung ihrer Eltern war fu\u0308r sie das entscheidende Signal, sich dem Werk zu widmen: Einem Werk, das sich fu\u0308r sie gleicherma\u00dfen wie ihre eigene Geschichte und wie Kunst anfu\u0308hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf meine Leseliste kommt \u201cWer wir sind\u201d auf jeden Fall, und auch in der Region bleibt Lena Gorelik zun\u00e4chst einmal, am 18. Juli liest sie in Marbach am Necker aus ihren Werken, was den Weg wert sein muss!<\/p>\n\n\n\n<p>Felix Polianski, JS 1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einem Raum morgenmu\u0308der Schu\u0308ler sitzt Lena Gorelik, h\u00e4lt mit einer Hand eine Buchseite ihres neuen Romans und streicht sich mit der anderen durch die dichten, bru\u0308netten Locken. 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