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LebensWert - Ein besonderes Projekt am SGU

Im ersten Schulhalbjahr 2019/20 wurde bei uns am SGU im Ethikunterricht der JS1 das Projekt "LebensWert" umgesetzt.
 

 
Anlassgebend war die Installation des Erinnerungszeichens für die Ulmer Opfer von Zwangssterilisation und "Euthanasie"-Morden im NS-Regime. Im Rahmen dieses Projekts der Ulmer Bürgerschaft wurde in Zusammenarbeit mit dem Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg, dem Initiativkreis sowie der Stadt Ulm und dem Land Baden-Württemberg erstmals umfassend zu diesem Thema in Ulm und Umgebung geforscht. 
 
Das an unserer Schule durchgeführte Projekt "LebensWert" sollte uns Oberstufenschüler*innen einen Zugang zu dem auf den ersten Blick eher abschreckenden Thema Zwangssterilisation und "Euthanasie"-Morde im NS-Regime vermitteln. Angeleitet hat es unser Ethiklehrer Herr Haug gemeinsam mit der in Ulm tätigen Schauspielerin und Schriftstellerin Frau Clauß-Schleicher. Daran teilgenommen haben alle Schüler*innen der JS1, die Ethik als Basisfach belegen, sowie einige Schülerinnen aus anderen Religionskursen.
 
Mithilfe eines Koffers des Roten Kreuzes haben wir in der ersten Einheit „ausprobiert“, wie sich alltägliche Aufgaben mit einer Behinderung bewältigen lassen, um einen Perspektivenwechsel – soweit dieser überhaupt möglich ist – einzunehmen. Im weiteren Verlauf des Projekts sind wir mit vielen Übungen auf unsere Selbst- und Fremdwahrnehmung eingegangen. In Verbindung mit einer Reflexion über die Bedeutung unserer Namen, haben wir die Namen der bekannten Ulmer Opfer von Zwangssterilisation und "Euthanasie"-Morden im NS-Regime aufgenommen. Dieser Namensteppich wurde bei der Einweihung des Erinnerungszeichens verwendet, bei der einige Schülerinnen von uns auch vor Ort mitwirkten. Zudem haben wir uns den thematisch passenden Film "Nebel im August" von Kai Wessel aus dem Jahr 2016 angesehen, viel über den geschichtlichen Hintergrund der Menschenrechte gelernt und uns philosophisch mit dem Begriff der „Menschenwürde“ auseinandergesetzt. Eine Exkursion zur Gedenkstätte Grafeneck, einer ehemaligen Vernichtungsanstalt, war ebenfalls Teil unseres Projekts und löste bei vielen von uns tiefe Betroffenheit aus. Unser Mitwirken an der Buchpräsentation des Gedenkbuchs „... aber ich hoffe, dass ich nicht verloren bin“, die am Donnerstagabend, 30. Januar im Schwörhaus stattfand, bildete den Abschluss unseres intensiven Projekts.
 

 
Durch die ungewöhnliche Umsetzung des Unterrichts mit Einbindung vieler Spiele und Übungen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung wurde das zunächst weit entfernt scheinende Thema greifbar. Uns Oberstufenschüler*innen wurde keine fertige Meinung präsentiert, sondern geschichtliches Wissen und Denkanstöße in vielerlei Hinsicht vermittelt.
 
Die Arbeit der Gedenkstätte Grafeneck ist mit der Weitergabe der Erinnerung an ihre Besucher*innen in die Zukunft gerichtet. Genau wie unser Projekt "LebensWert" unterstützt sie ein demokratisches Bewusstsein. Auf diese Art leistet Erinnerung einen Beitrag zu einem friedlichen Zusammenleben und lässt uns nicht vergessen, wie wichtig die Konzepte der Menschenwürde und Menschenrechte auch für unsere heutige Gesellschaft sind.
 
- Verfasst von Nilla Weise, JS1 -