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Erinnerung leben: Ethik-Exkursion der Jahrgangsstufe 1 zur Gedenkstätte Grafeneck

Am vergangenen Dienstag, 19.11.2019, unternahm der Ethik-Kurs der Jahrgangsstufe 1 im Rahmen des unterrichtsbegleitenden, mehrwöchigen Projekts „LebensWert“ eine Exkursion zur Gedenkstätte Grafeneck, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen sollte.
Wie sind Verbrechen, wie diejenigen der sogenannten „Aktion T4“ unter der NS-Diktatur, überhaupt möglich? Was steckt hinter Begriffen wie Zwangssterilisation, Euthanasie und Eugenik? Und ganz allgemein: Welche Folgen kann gesellschaftliche Ausgrenzung jeder Art haben? Welche Aussagen können über Täter- sowie Opferschaft getroffen werden? Wie lassen sich Fragen nach Schuld und Verantwortung klären? – Ein tiefer Einblick in ein gänzlich dunkles Kapitel deutscher Geschichte, die uns als Bürgerinnen und Bürger weiterhin zu beschäftigen hat und immer wieder auch Vergleiche zu gegenwärtigen Entwicklungen zulässt.
Im Jahr 1940 werden im idyllischen, südwürttembergischen Grafeneck 10.654 Menschen ermordet. Der Ort kann – wie an diesem grauen, kalten Herbstmorgen – eine sehr beklemmende Wirkung entfalten. Bis heute leben Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankungen in Grafeneck. Sie gehen ihren alltäglichen Beschäftigungen nach, sie arbeiten – vor Ort in Grafeneck oder außerhalb, um abends wieder zurückzukehren – und kommen dabei oftmals direkt und tiefpersönlich mit vielen Besucherinnen und Besucher der Gedenkstätte in Kontakt. In gewisser Weise wird hier Erinnerungskultur in ihrem ganzheitlichen, existentiellen Sinne erfahrbar und sozusagen lebendig.
Nach einem ersten Umherschauen und Orientieren, dem Sammeln vorläufiger Eindrücke der Umgebung und einer kurzen, genauso herzlichen wie direkten, wenn auf für manch eine*n Schüler*in ungewohnten Kontaktaufnahme mit einer dort lebenden Person – die im Nachhinein umso symbolischer erscheinen sollte – wurde der Kurs vom Gedenkstättenleiter Thomas Stöckle begrüßt, der sich im Anschluss mehr als drei Stunden intensiv mit unserer Gruppe beschäftigte, die historische Umgebung aufarbeitete und immer wieder Anreize zum selbstständigen Denken als auch zur emotionalen Auseinandersetzung mit den Geschehnissen schaffte. Während des seminarähnlichen Workshops im Schloss Grafeneck entstanden sowohl immer wieder Möglichkeiten zum Anknüpfen an die geleistete Vorarbeit aus den vergangenen Wochen als dass auch neue Erkenntnisse und Rückschlüsse hinzukamen, die im Fortlauf des Ethik-Unterrichts verarbeitet werden. Mit einem Einblick in das Dokumentationszentrum und der dort eingerichteten Ausstellung von Informationsmaterial sowie einer beeindruckenden Kunstinstallation, einem darauffolgenden Gang über das Gelände bis hin zur eigentlichen Gedenkstätte, wurde die Dimension der Verbrechen immer erdrückender und deutlicher – ohne sie wohl jemals gänzlich erfassen zu können. Der Wert sowohl von persönlicher als auch kollektiver Erinnerung ist dabei des Öfteren hervorgeblitzt und bietet nun Anlass für weitere Auseinandersetzung und Reflexion im Ethik-Unterricht.
Die Führung wurde von Frau Lutz, Monsieur Haug, der Künstlerin Sibylle Schleicher sowie Annette Lein vom Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg begleitet, die im Übrigen auch gemeinsam das Projekt „LebensWert“ auf die Beine stellen und gestalten.
Zudem soll an dieser Stelle einerseits Herr Stöckle und allen Mitarbeitenden der Gedenkstätte Grafeneck für deren Arbeit allgemein und der Begleitung unserer Gruppe an eben jenem Exkursionstag gedankt sein. Zuletzt ein herzliches Dankeschön an den Verein der Freunde, die die Fahrt finanziell mitunterstützten.