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Sozialpraktikum

„Seitenwechsel“ - Soziales Lernen als erfolgreiches Praktikum in der JS 1

Wenn wir Lernen unter anderem als den Erwerb von Verhaltensmöglichkeiten verstehen, der darauf abzielt, dass wir mit vielen Lebenssituationen und -anforderungen angemessen umgehen können, dann stellt sich die Frage, ob unser Lernangebot an den Gymnasien nicht zu einseitig, ja zu „verkopft“ ist.

Als Schule führten wir daher für die Klassen 11, jetzt JS 1, im Rahmen unseres Sozialcurriculums ein einwöchiges, verbindliches Sozialpraktikum ein, das in unserem Schulcurriculum fortlaufend verankert ist.

Die Schülerinnen und Schüler helfen in dieser Zeit ganztägig und unentgeltlich in einer sozialen Einrichtung ihrer Wahl. Sie können sich dort mit Realitäten auseinandersetzen, die im gymnasialen Alltag sonst wenig vorkommen. Sie müssen sich Zeit nehmen für Menschen, die oftmals nicht gerade zu den vordergründigen Gewinnern unserer Gesellschaft gehören: z.B. für kranke Menschen, alte Menschen, Menschen mit Handicaps und Behinderungen, für pflegebedürftige Menschen und Menschen ohne Obdach, für Langzeitarbeitslose, Asylbewerber, straffällig gewordene Menschen.

In einer sich im Alltag entsolidarisierenden Gesellschaft sehen wir es als Aufgabe unserer Schule an, Schüler für menschliche Nöte und soziales Handeln zu sensibilisieren. Nicht nur, weil der Arbeitsmarkt immer mehr soziale Kompetenzen fordert, sondern auch weil soziales Handeln menschlich und „sinnstiftend“ ist und damit für unsere Gesellschaft zentrale Bedeutung hat.

Mit den gegenwärtig veränderten Bedingungen der Lebensgestaltung erfahren auch die Möglichkeiten und Gelegenheiten zu sozialen Erfahrungen einen Wandel. Auf der einen Seite haben heute Menschen die Chance, neue soziale Erfahrungen zu machen, andererseits sind bestimmte Grunderfahrungen immer weniger selbstverständlicher Bestandteil jugendlicher Sozialisation: etwa die Konfrontation mit menschlichen Grenzsituationen (Schwäche, Leid, Sterben, Tod), Erfahrungen von Not und Hilfeleistung, Erfahrungen gebraucht zu werden oder Erfahrungen mit dem Zusammenhalt in freiwilligen Gemeinschaften.

Viele Schülerinnen und Schüler haben es vor Ort erfahren: Ich kann sensibler werden für andere Schicksale, ich erlebe eigene Begrenztheit, aber auch Gemeinschaft und Solidarität, mir wird von anderen Menschen Akzeptanz, Dankbarkeit und Anerkennung entgegen gebracht, ich schule meine Wahrnehmung, kann eigene Vorurteile erkennen oder sogar abbauen, Toleranz entwickeln, Aufgaben und Pflichten erproben.

„Teamfähigkeit“, „Kommunikationsfähigkeit“, „Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen unserer Zeit“, „Bedeutung des Sozialen als Integrationsfaktor und als Betätigungsfeld“ sind weitere Schlagwörter dafür, was sich hinter dem Begriffsjargon „personale und soziale Kompetenzen“ oder „soziales Wissen“ verbirgt.

Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler nach dem Praktikum sind ausgesprochen positiv. Sie benennen Schwierigkeiten der Eingewöhnung, reflektieren über persönliche Bindungen, die entstanden sind, über überwundene Vorurteile und neue Erfahrungen. Der Seitenwechsel in den sozialen Sektor bereicherte und ließ über den eigenen Tellerrand hinaus blicken.

Das Sozialpraktikum in der JS 1 wird von der Schulleitung und dem gesamten Kollegium getragen, von Frau Hölz (für die Fachschaften Religion und Ethik) und den Kursen Religion und Ethik organisiert.

Alle Schülerinnen und Schüler der JS1 erhalten zudem eine Einführungsveranstaltung für das Sozialpraktikum (Kurse Religion und Ethik).

Die Betreuung der Schülerinnen und Schüler in der Praktikumsphase wird von allen Lehrern der Jahrgangsstufe geleistet. Nach der Praktikumsphase erfolgt eine Auswertungsphase.

Seitenwechsel - dazu lernen können wir alle.

Ulrike Hölz